DIN EN 1004 – Grundlagen der Rollgerüst-Norm einfach erklärt (AGM MELCHER Fachlexikon)

DIN EN 1004 – Grundlagen der Rollgerüst-Norm einfach erklärt

Kurz erklärt: Die DIN EN 1004 ist die europäische Norm für fahrbare Arbeitsbühnen (Fahrgerüste). Sie legt fest, wie ein Rollgerüst konstruiert, geprüft und aufgebaut sein muss, damit es sicher genutzt werden kann. Seit 2021 gilt die Norm in zwei Teilen: DIN EN 1004-1 (Bauteile, Maße, Lasten) und DIN EN 1004-2 (Aufbau- und Verwendungsanleitung). Wer ein Layher-Rollgerüst kauft, erhält damit ein Produkt, das dieser Norm entspricht.

Was ist die DIN EN 1004?

Die DIN EN 1004 ist die zentrale Sicherheitsnorm für fahrbare Arbeitsbühnen aus vorgefertigten Bauteilen – umgangssprachlich Rollgerüste oder Fahrgerüste genannt. Sie beschreibt, welche Anforderungen ein solches Gerüst an Material, Maße, Standsicherheit und Belastbarkeit erfüllen muss. Ziel ist ein einheitlicher Sicherheitsstandard für Hersteller, Händler und Anwender in ganz Europa.

Für Käufer bedeutet das: Ein Rollgerüst, das nach DIN EN 1004 gebaut ist, wurde nach klar definierten Regeln konstruiert und geprüft. Der Aufbau folgt einer mitgelieferten Anleitung, und die zulässige Belastung ist eindeutig festgelegt. Die Norm schafft damit die Grundlage dafür, dass ein Gerüst überhaupt verkehrsfähig ist.

Fahrbares Layher-Rollgerüst nach DIN EN 1004 aufgebaut auf ebenem Untergrund

Wofür gilt die Norm – und wofür nicht?

Die DIN EN 1004 gilt für fahrbare Arbeitsbühnen mit einer Standhöhe von bis zu 12 Metern im Innenbereich und bis zu 8 Metern im Außenbereich. Diese Höhengrenzen sind ein Kernpunkt der Norm, weil mit zunehmender Höhe die Anforderungen an Standsicherheit und Ballastierung steigen.

Nicht abgedeckt sind ortsfeste Gerüste (Fassadengerüste nach anderen Normen), Leitern sowie individuelle Sonderkonstruktionen. Für den klassischen Einsatz eines Rollgerüsts – Montage, Malerarbeiten, Instandhaltung, Elektroinstallation – ist die DIN EN 1004 aber die maßgebende Grundlage.

Wichtig zu wissen: Die DIN EN 1004 regelt das Produkt (das Gerüst selbst). Wie ein Rollgerüst im Betrieb sicher verwendet wird, ergänzt in Deutschland die DGUV Regel 101-005 und die Betriebssicherheitsverordnung. Norm und betriebliche Regel greifen also ineinander.

Die zwei Teile der Norm: EN 1004-1 und EN 1004-2

Seit der Überarbeitung 2021 ist die frühere DIN EN 1004:2005 in zwei Teile aufgeteilt. Diese Trennung sorgt dafür, dass Produktanforderungen und Anwenderanleitung sauber getrennt sind.

Normteil Inhalt Für wen relevant
DIN EN 1004-1 Werkstoffe, Maße, Lastklassen, konstruktive Anforderungen an Bauteile und Standsicherheit Hersteller, Prüfstellen, Einkauf
DIN EN 1004-2 Anforderungen an die Aufbau- und Verwendungsanleitung, die jedem Gerüst beiliegen muss Anwender, Aufbauverantwortliche

Die Aufbau- und Verwendungsanleitung aus Teil 2 ist kein Beiwerk, sondern verbindlicher Bestandteil der Norm. Sie beschreibt Schritt für Schritt, wie das jeweilige Gerüst aufgebaut, verfahren und abgebaut wird – inklusive Angaben zu Ballast und maximaler Höhe. Für die aktuelle Normenlage ist dabei der P2-Sicherheitsaufbau maßgeblich.

Zentrale Begriffe der DIN EN 1004

Wer sich mit der Norm beschäftigt, stößt immer wieder auf dieselben Begriffe. Die folgenden drei sind die wichtigsten:

Begriff Bedeutung
Standhöhe Höhe der obersten Arbeitsplattform über dem Boden. Die Norm unterscheidet die zulässige Standhöhe innen (bis 12 m) und außen (bis 8 m).
Arbeitshöhe Standhöhe plus rund 2 m (durchschnittliche Reichhöhe einer Person). Die praktische Höhe, in der gearbeitet werden kann.
Lastklasse Zulässige Flächenlast der Plattform. Die meisten Layher-Rollgerüste sind Lastklasse 3 (200 kg/m²); einzelne Modelle wie der Staro Rollbock Lastklasse 2 (150 kg/m²).

Faustformel Arbeitshöhe: Standhöhe + 2 m = Arbeitshöhe

Beispiel: 6 m Standhöhe → ca. 8 m Arbeitshöhe

Den Unterschied zwischen Arbeitshöhe und Standhöhe erklären wir ausführlich im Beitrag Arbeitshöhe und Standhöhe – wo liegt der Unterschied?.

Was die Norm für den Kauf bedeutet

Ein Rollgerüst nach DIN EN 1004 zu kaufen heißt: Sie erhalten ein geprüftes System mit definierter Belastbarkeit, klaren Höhengrenzen und einer beiliegenden Aufbauanleitung. Die zulässige Standhöhe und der benötigte Ballast sind dokumentiert, sodass sich das Gerüst rechtssicher einsetzen lässt.

Alle Rollgerüste im Sortiment von AGM MELCHER – etwa die Serien Uni Standard, Uni Breit oder das SoloTower – entsprechen dieser Norm. Beim Kauf sollten Sie darauf achten, dass die Aufbau- und Verwendungsanleitung vorhanden ist und die geplante Einsatzhöhe innerhalb der zulässigen Standhöhe liegt.

DIN EN 1004 und der Normwechsel 2021

Mit der Ausgabe 2021 löste die DIN EN 1004-1 die alte DIN EN 1004:2005 ab. Für Anwender stellt sich häufig die Frage, ob ältere Gerüste damit unzulässig werden. Kurz gesagt: Nein. Es gibt keine generelle Nachrüstpflicht – vorhandene Gerüste dürfen weiterverwendet werden, solange sie sicher und vollständig sind.

Die Unterschiede zwischen alter und neuer Norm sowie den Bestandsschutz im Detail behandeln wir in einem eigenen Beitrag:

→ EN 1004: alte vs. neue Norm – was gilt für mein Gerüst?

Häufige Fragen zur DIN EN 1004

Was regelt die DIN EN 1004?

Die DIN EN 1004 regelt die Anforderungen an fahrbare Arbeitsbühnen (Rollgerüste) aus vorgefertigten Bauteilen: Werkstoffe, Maße, Lastklassen, Standsicherheit und die verbindliche Aufbau- und Verwendungsanleitung. Sie sorgt für einen einheitlichen Sicherheitsstandard in Europa.

Was ist der Unterschied zwischen DIN EN 1004-1 und -2?

Teil 1 (DIN EN 1004-1) beschreibt die technischen Produktanforderungen wie Maße, Lasten und Konstruktion. Teil 2 (DIN EN 1004-2) legt fest, wie die Aufbau- und Verwendungsanleitung gestaltet sein muss, die jedem Gerüst beiliegt.

Bis zu welcher Höhe gilt die DIN EN 1004?

Die Norm gilt für fahrbare Arbeitsbühnen mit einer Standhöhe von bis zu 12 Metern im Innenbereich und bis zu 8 Metern im Außenbereich.

Muss ich mein altes Rollgerüst wegen der neuen Norm ersetzen?

Nein. Es gibt keine generelle Nachrüstpflicht. Bestehende Gerüste dürfen weiterverwendet werden, solange sie sicher, vollständig und funktionsfähig sind. Details dazu im Beitrag zu alter und neuer Norm.

Welche Lastklasse haben Layher-Rollgerüste?

Die meisten Layher-Rollgerüste erfüllen Lastklasse 3 (200 kg/m²). Einzelne Modelle wie der Staro Rollbock sind in Lastklasse 2 (150 kg/m²) eingeordnet.

Wie hängen DIN EN 1004 und DGUV Regel 101-005 zusammen?

Die DIN EN 1004 regelt das Produkt (das Gerüst selbst), die DGUV Regel 101-005 die sichere Verwendung im Betrieb. Beide ergänzen sich: Die Norm sorgt für ein sicheres Gerüst, die DGUV-Regel für den sicheren Einsatz.

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